Startseite tinnitus-taube.de
Volltextsuche


Powered by


Sie sind Besucher
1517231
seit dem 05.11.2005
Erfahrungen von Rob Davis

Auch Rob Davis, welcher ein sehr guter Freund von mir ist, ist nun CI implantiert und hat seine Erfahrungen nieder geschrieben....




Überlegen, Recherche, Gespräche!!!!
Zahlreiche Untersuchungen, Tests mit Baha, Soundbridge…weitere Gespräche, und jetzt nach 3 Jahre stehe ich am Eingang zur Universitätsklinik in Düsseldorf, Reisetasche und Digital Kamera in der Hand.  

Wer bin ich? Mein Name ist Rob Davis, geboren in England. Ich bin 49 Jahre alt und spät ertaubt. Ich bin Angestellter einer Grossbank in Düsseldorf und berate meine hörgeschädigte Kundschaft mit Gebärdensprache oder einer Induktiv Anlage. Ich habe mich zu einem Cochlear Implantat entschieden und ich freue mich darauf.  

Es ist der 4te August 2008. Das ist der Tag an den ich vor der HNA3 stand, nicht HNO Sondern HNA, Hals, Nasen und Augen Kliniken der Universität Düsseldorf.


Gleich zur Anmeldung in die Frauen Klinik, ich habe nicht gefragt warum in die Frauen Klinik anmelden, könnte aber interessant werden!!  

Bei der Anmeldung nutze ich natürlich meinen Lieblingsspruch „ Ich bin hörgeschädigt usw.“ Der Angestellte am PC sagte etwas, aber ich verstand kein Wort.  

2 oder 3, wollte er wissen. Ich überlegte und überlegte was könnte er von mir wissen wollen? 2 oder 3 Brötchen zum Frühstück, 2 oder 3 Betten Zimmer ? Na ja ich gab einfach auf. Ich fragte den Angestellten „2 oder 3 was bitte?“ Antwort „HNO 2 oder 3!!“ Entschuldige bitte aber wie soll ich das als Patient wissen, außerdem steht HNA an der Tür, nicht HNO. Der Tag hat gut angefangen.  

Es regnet in Strömung was eigentlich für ein Engländer kein Problem darstellt!!   Ich bekam Zimmer Nummer 312 und dachte, das ist meine Glücksnummer (Nicht wirklich)  

Was mich überrascht hat, ist das alle Zimmer einen Zugang zu einen Balkon haben, recht nett sieht es hier aus. Hier darf man in der Sonne sitzen, rauchen ist natürlich verboten, aber, wenn man in die Nähe schaut sieht man die Füchse. Gleich alles ausgepackt und verstaut. Meine Enkel Christin und André haben Bilder für mich eingepackt und ein Stofftier. Der ist ab sofort mein „ Beschütz-mich-Hund“ der Tag und Nacht bei mir Wache hält. 


Direkt ab zum Hörtest, Besprechung mit der Stationsärztin Frau Dr. Kristin und natürlich dem Narkosearzt. Danach folgt einen Gespräch wobei der stellvertretende Klinikdirektor der HNO Dr. Thomas Klenzner mich dem Team vorstellt und bespricht was am folgenden Tag gemacht wird. Dann muss man Zeit für Mittagsessen und Abendessen finden. Hier schmeckt das Essen im Gegenteil zu anderen Krankenhäusern sehr gut!  

Der Chefarzt teilte mir mit, dass mein Eingriff für Morgen den 5.8.2008 direkt um 8 Uhr geplant ist.  

Dann ist man für sich allein gelassen. Ich wartete um zu sehen wer mit auf mein Zimmer kommt. Ich brauchte nicht lang zu warten. Rein kam der Ludwig, ein wirklich Super Typ. Einziger Fehler den ich sofort erkennen konnte ist das er Borussia Mönchengladbach Fan ist. 



Der Ludwig ist circa 40-mal operiert worden. Für Morgen ist bei ihm ein „Kontroll“ Operation vorgesehen. Eins kann ich sagen, seine positive Denkweise, seine Kampfgeist und seine Lebensfreude, davon können wir uns alle ein Stück abschneiden. Ein Riesen Kerl der nicht aufgibt und dafür sage ich „ Hut ab Ludwig!!! „.  

Ich liege in meinem Zimmer und wie jeder Mann spiele ich den starken Kerl, reiße Witze und versuche nicht an der morgigen Tag zu denken. Ich bin selbstverständlich über die Risiken und Nebenwirkung aufgeklärt worden, aber was das tatsächlich bedeutet weiß ich doch nicht ganz genau. Für mich ist es einfacher darüber zu lachen, als jetzt damit auseinander zu setzen. Ich habe viel über die Operation gelesen und habe mich sehr gut über das Thema „Cochlear Implantat„ im Internet und bei Freunden informiert.  

Ich hatte auch das Glück das neue Buch von Sindy Funke lesen zu dürfen. Sindy trägt beidseitig Implantate und schreibt in ihrem Buch „Rein in die Stille - Raus aus der Stille„ ihre Erfahrungen. Das Buch hat mir echt geholfen, auch nach der Operation die eine oder andere Sache besser zu verstehen.

Es ist bereits abends in Düsseldorf und Ludwig erzählt mir von seinem Ritual was er jedes Mal vor eine Operation macht – Döner Essen!! Also Jacke an und ab zur Döner Bude, welche direkt vor dem Eingang der Uniklinik ist. Ludwig genoss sein Döner Teller als ob es seine Henkers Mahlzeit wäre. Ich genoss der Abend und könnte mich an das Ritual von Ludwig glatt gewöhnen wenn es nicht mit einer weiteren Operation verbunden wäre.



Danach ab ins Bettchen, genug getan für heute! Ich habe nicht gut geschlafen. Ich lag im Bett und dachte „was ist wenn ich morgen aufwache und Doc Klenzner sagt, wir können Sie nicht implantieren?“ Oder es funktioniert nicht, oder, oder, oder, viele Gedanken welche eigentlich Blödsinn sind laufen mir durch den Kopf. Ich denke so was ist normal vor solch einem wichtigen Eingriff.  

Tag der Operation

06:04 und ich bin hellwach!  
Gleich duschen, OP- Kleid und Thrombosestrümpfe anziehen. Man ich siehe so cool aus das ich glatt vergessen hab ein Foto davon zu machen. Ich bitte hiermit um Entschuldigung! Rein kommt die Schwester mit meiner Beruhigungstablette und 20 Minuten später bin ich am Bäume sägen wie ein Weltmeister.  

Der OP- Saal  

Ich habe alles verpennt! Normalerweise nehme ich bei einer Operation alles wahr, also bis das Narkose Mittel wirkt. Diesmal gar nicht und ich bin leicht von mir selber enttäuscht. So ein wichtiger Tag für mich und ich schlafe gleich durch.  

Ich wache im Aufwachraum auf und bin völlig durcheinander. Ich dachte, entweder bist du tot oder du bist noch gar nicht operiert!! Neben mir lag eine 2te Person und ich dachte, der ist nicht tot, der atmet noch! Merkwürdiges Gefühl, ich war hellwach als ob ich noch gar nicht operiert wäre, aber wenn das der Fall ist, wieso trage ich dann diesen Turban! Vielleicht war ich nicht so wach wie ich dachte. Alles war vorbei, die Operation hat 3 ½ Stunden gedauert und der Doc Klenzner sagte, es war ein hartes Stück Arbeit gewesen, aber auch ERFOLGREICH!! Also, meine CI sitzt und ich bin heil froh dass alles vorbei ist.  

Ich stehe neben mir und kann gar nicht mehr einschlafen, ich könnte jetzt glatt joggen so fit fühl ich mich. Dann denk ich an die Nebenwirkung einer CI Operation ... Ich taste in mein Gesicht, es bewegt sich, alles in Ordnung. Ich kann riechen also das ist auch in Ordnung. Ich finde meine Fischermanns Friend in meine Schublade und Schwupps ist eins im Mund. WOW das schmeckt noch besser als vor der Operation, was völliger Quatsch ist. Aber mir kam es vor, als ob es besser geschmeckt hat.  

Jetzt tut der Druck Verband weh. Ich kenne die Verbände und habe die oft tragen müssen. Jetzt weiß ich langsam dass ich operiert bin.


Doc Klenzner besucht mich und wir redeten ein wenig. Er war höchst zufrieden wie die Operation gelaufen war, sagte aber, „Das war ein hartes Stück Arbeit gewesen!! „ Das hab ich heute schon mal gehört!  

Ich höre merkwürdige Geräusche. Wenn ich rede klingelt es in meine Ohren. Wenn das Klo spült Klingelt sich in meine Ohren. Ich höre einseitig, also rechts überhaupt nicht. Vorher habe ich z.B. Essen wahrgenommen, jetzt höre ich gar nichts mehr. Ich denke dass das CI jetzt schon arbeitet und ich habe Angst, dass es immer so bleiben wird. Viele Dinge waren für mich völlig neu, wie bei jedem der ein Implantat eingesetzt bekommt und ich musste mich an vielen Dingen neu orientieren.  

Ich fand es Super Nett das Doc Klenzner mich auf ein Einzelzimmer verlegt hat. Ich hatte jetzt die Möglichkeit mich mit meiner neuen Situation auseinander zu setzen. Das CI Zentrum an der Uni Düsseldorf ist relativ neu aber eins kann ich sagen: Die wissen ganz genau wie man mit hörgeschädigte Patienten umgehen soll!!  

Ich habe von meinem Blackberry gelebt und jedem einen Mitteilung, mit der Nachricht das es mir gut geht, zukommen lassen. Da ich wie ein Zombie war, möchte ich gar nicht wissen, wie teilweise die SMS Mitteilungen aussahen. Ich war immer noch hellwach und konnte einfach nicht schlafen.   Die Tage danach  

Die Geräusche die mir Angst eingejagt hatten, ließen nach und ich lernte wie ich mit meiner Umgebung klar kommen soll. Ich war immer noch verunsichert, aber ich musste einfach lernen Geduld zu haben (Das Problem hab ich heute noch).  

Am nächsten Tag hat ich 2 Überraschungen. Meine Frau kam zu Besuch und ich bekam die Röntgen Bilder meines Implantats zu sehen. Ich habe mich sehr über den Besuch meiner Frau gefreut. Ich war bisher allein auf meinem Zimmer gewesen und es tat einfach gut, sehr gut sie zu sehen.   Ich bekam Besuch von Doc Klenzner, der zeigte mir meine Röntgenbilder. Ich sah einen silbernen Strich mit jede Menge kleine Punkte. Doc Klenzner erklärt mir, dass es ein Bild von meiner Cochlear war und dass das Implantat perfekt sitzt. Ich genoss einfach den Tag.  

Auf dem Flur begegne ich dem Dr. Knapp… Der ist immer gut drauf und fragte mich wie es so geht. Wir redeten ein wenig und dann sagte der Doc, das die OP ein hartes Stück Arbeit gewesen ist. Ich wunderte mich wer noch alles in OP Saal gewesen war.  

Regelmäßig kamen die Ärzte zur Kontrolle. Einmal war die Frau Dr. Kristin mit einem anderen Arzt da gewesen. Der fragte mich „ verstehst du alles was Dr. Kristin sagt?“ Ich antwortete „ Natürlich, Sie hat doch ein wunderschönes Mundbild!! „ Das fand alle Ärzte sehr witzig und danach war es der Station Witz.... Für mich war es ein Kompliment gewesen!!!  

Ich musste aufgrund der Gefahr eines Infekts länger an der Uniklinik bleiben. Ich war ein wenig enttäuscht, aber ich kann den Grund verstehen. 

Dr. Kristin und ein Student, selbst hörgeschädigt


Am Samstag bekam ich Besuch von meiner Frau und meinen Enkelkindern. Das hat gesessen. Wir hatten einen super Tag zusammen und ich war heil froh die zu sehen. Es tut einfach gut wenn ein die Familie und Freunde unterstützennach einen CI Operation. Besuch hat ich auch von meinen Kumpeln Romeo Man, Axel Sauer und seine Söhne. Die sind begeistert von Leuten die mit den Händen sprechen können.  

Ich trage meine CI jetzt ein paar Wochen schon und halte Kontakt zu anderen CI Trägern. Wenn ich verunsichert war, dann hatte ich die Möglichkeit zu fragen, ob es normal war. Ich hatte auch die Möglichkeit über Erfolge zu berichten z.B.   …Herrenklo in der Bank, ich habe mich beim pinkeln gehört und war hellauf begeistert. Ich war hin und weg und ich musste es gleich weiter geben. Also ran an das Blackberry und ab mit der SMS. Es dauert nicht lang bis der Antwort kam: Warte noch ein wenig, wenn du in der öffentliche Toilette bist dann kannst du JEDEN pinkeln hören... Also zurück auf den Boden der Tatsachen.  

Ich war spazieren und habe plötzlich Vögel gehört. Wieder total baff und ich musste es jemanden erzählen. Also SMS an meine Frau. „Ich kann Vögeln hören.“ Meine Frau hat sich köstlich darüber amüsiert und ich habe den Unterschied von Vögel und Vögeln gelernt.  

Das sind Dingen über die man im Nachhinein lacht und was mich auch froh macht, eben weil ich die wieder hören kann.  

Ich bin heilfroh. das ich Kontakt mit anderen CI Trägern hatte. Ich wusste es vorher nicht, aber als ich operiert war, bekam ich Nachrichten von anderen CI Trägern, Hilfe Angebote, Glückwünsche, witzige Dinge zum aufmuntern Usw. Es war, und ist als ob man zu einer Familie gehört. Die haben sich mit mir über Erfolge richtig gefreut. Das Gefühl nicht allein zu sein, gab mir eine Art Sicherheit.  

Hier ein riesengroßes Dankeschön an 3 Personen die mir besonders geholfen haben. Veronika Albers und Sindy Funke (beide CI Träger) und das sie mich durch alle Phasen mit begleitet haben. Ich bin euch sicherlich auf die Nerven gegangen, aber wir haben ja oft gelacht. Und ich möchte mich bei meiner Frau Lieselotte für Ihre Geduld und ihr Verständnis bedanken. Es ist sicherlich nicht einfach für eine hörende Ehefrau ihren Mann durch ein CI Operation zu begleiten, aber meine Frau hat ein Weg gefunden!! Auch ich stehe anderen zur Verfügung und wenn ich helfen kann dann schickt mir einfach eine Mail an Rob.Davis(at)dresdner-bank.com und ich werde euch Willkommen in unserer Familie heißen.    

Ich rate jedem der überlegt sich operieren zu lassen oder kurz vor einer Operation steht, genießt es einfach. Nehmt alles locker und seit nicht wie ich so ungeduldig. Bald hörst du Dingen, die du entweder nie gehört hast oder die längst in Vergessenheit geraten sind. Einfach locker bleiben, wenn möglich Kontakt zur anderen CI-Trägern halten und das CI für dich arbeiten lassen. Jeden Tag kommt etwas Neues, Aufregendes auf dich zu. Ich wünsche euch viel Glück.

Seite zuletzt geändert am 17.10.2008 11:43
Copyright by Sindy Funke