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seit dem 05.11.2005
Reha in Rendsburg

Den Leiter des Zentrums für Hörgeschädigte in Rendsburg, Herrn Olaf Biemann, lernte ich ja bereits während meiner interner Link folgtUmschulung im BfW Hamburg kennen. Eigentlich sollte ich, aufgrund der besonderen Umstände in meiner Umschulung, eine ausbildungsbegleitende Reha in Rendsburg machen. Aber dies wurde von Seiten des BfW's nicht zugelassen.   Somit begann meine Reha in Rendsburg erst nach erfolgreichen Abschluss meiner Umschulung. Ich bekam eine Einladung zur Reha vom 27.08.05 bis 24.09.05 und auch mit der Kostenübernahme durch meinen Reha-Träger gab es keinerlei Probleme.

Anreisetag war ein Samstag, ich wurde von Olaf Biemann herzlichst in Empfang genommen. Er zeigte mir das Haus und kurz danach auch mein Zimmer, indem ich mich für die nächsten 4 Wochen wohl fühlen sollte. Die Zimmer sind gut eingerichtet, verfügen über Telefon (mit Verstärker) und Faxgerät, die über eine eigene Durchwahl direkt angewählt werden können. Jeweils zwei Rehabilitanden teilen sich ein Badezimmer. Bei mir lief es reibungslos, da ich mich mit Marion sehr gut verstand.

Am ersten gemeinsamen Abend trafen wir 19 Teilnehmer und eine Praktikantin uns in einem der beiden Seminarräumen zu einem kurzen Kennen lernen. Bei einem Gläschen Sekt stießen wir auf eine erfolgbringende Reha und das "Du" an. Wir bekamen noch die wichtigsten Unterweisungen und waren dann entlassen. Die Hörschädigungen der einzelnen Teilnehmer waren unterschiedlich, so waren Schwerhörige, Ertaubte und CI-Träger dabei.


Mit jedem Teilnehmer wurde ein Eingangseinzelgespräch geführt, dabei erzählte ich wie meine Hörschädigung ist, was für besondere Probleme im Zusammenhang mit meiner Hörschädigung stehen (bei mir hauptsächlich dass CI und die Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt) und was ich von der Reha erwarte.


Die 4 Wochen Reha setzen sich aus einer Art Unterricht zusammen, jede Woche wurde ein Rehabilitationsplan ausgeteilt, in dem die Zeiten und die Art des Unterrichtes standen. Da wir eine ziemlich große Gruppe waren, wurden wir geteilt. Da ich nicht Tag für Tag hier aufschreiben mag, werde ich die wichtigsten "Unterrichtsfächer" nennen und dazu eine Kurzbeschreibung geben und im Anschluss an jede einzelne Beschreibung, mein persönliches Empfinden dazu schreiben.


Absehen:

Da nur ca. 30% der gesprochenen Worte und Laute durch Absehen erkannt werden können (das insgesamte Verstehen wird ergänzt durch Körpersprache, Gebärden, Fingeralphabet, Verhaltenstechniken und kombinieren) ist es wichtig, dass man die einzelnen Laute unterscheiden kann und die Bewegung des gesamten Sprechapparates wahrnimmt. Dies wird anhand von vielen Abseh-Übungen trainiert.

Es war oftmals sehr anstrengend für mich. Ich war zwar zu Beginn der Reha schon "gut" im Absehen, aber mein hoher Tinnitus beeinträchtigt diese hohe Konzentrationsleistung und führt zusätzlich zu Ermüdungserscheinungen, so dass ich manchmal dagesessen und am liebsten nur noch geschlafen hätte, was aber nicht am Abseh-Unterricht selbst liegt.


Verhaltenstraining:

Wie der Name schon sagt, geht es hier um Verhalten. Im wesentlichen wird hier aufgezeigt, wie man auf die Hörschädigung hinweisen und die entsprechenden Bedingungen schaffen kann, damit die Vorraussetzung für eine unmissverständliche Kommunikation gebildet ist. Geübt wird dies unter anderem in realitätsbezogenen Rollenspielen.

Das Verhaltenstraining war für mich im Wesentlichen sehr sinnvoll, da auch ich zu den Hörgeschädigten gehört habe/bzw. noch gehöre, die nicht immer gleich darauf hinweisen, dass ich ertaubt bin. Vor der Reha war es so, dass ich lieber nickte, anstatt nachzufragen. Mich lieber irgendwo still hinsetzte, anstatt Bedingungen zu schaffen, um am Geschehen teilzunehmen. Ich zog es vor, mich durchs Leben zu "schauspielern", anstatt wirklich am Leben teilzunehmen. Während und nach der Reha erzielte ich hierin schon enorme Verbesserungen in meinem Verhalten, aber das ganze wird noch ein längerer Prozess werden. Denn von heute auf morgen kann man sich ja nicht umstellen.


Körpersprache:

Auch hier besagt der Name eigentlich schon eindeutig um was es geht. Da wir Hörgeschädigten auch viel an Mimiken, Gestiken und Körperhaltung "erkennen" ist für uns die Körpersprache ein wichtiger Aspekt. Da man aber von niemanden was erwarten kann, was man selbst nicht anwendet, lernt man hier, wie man den Körper am sinnvollsten "sprechen" lassen kann.

Auch dieser Teil des Unterrichtes war für mich sehr lehrreich, wobei auch hier erst im Laufe der Zeit ein kompletter Einsatz der Körpersprache stattfinden wird, da es für mich immer noch Situationen im Leben gibt, wo ich dann gehemmt bin.


Sozialrecht:

Hier werden ausführliche Informationen über die Rechte nach dem Schwerbehindertengesetz gegeben. Auch wird ausführlich über alles aufgeklärt, was den Schwerbehindertenausweis angeht (hier insbesondere für Hörgeschädigte). Andere wichtige Punkte waren, die zuständigen Behörden für Schwerbehinderte, Gleichstellung und alles was berufliche Aspekte als Schwerbehinderter betrifft.

Für mich war der Teil des Unterrichtes zwar interessant, aber das Wesentliche war mir, aufgrund meines Berufes als Verwaltungsfachangestellte, schon bekannt. Trotzdem konnte ich zusätzliches Wissen mit nach Hause nehmen und anwenden.


Selbsterfahrung:

Hier werden nach dem kollegialen Beratungskonzept, Belastungsmomente und Stresssituationen erörtert, die sich aufgrund der Hörschädigung eingestellt haben. Das kollegiale Beratungskonzept besteht darin, dass eine Person ihr Problem schildert, dann von der Gruppe reine Verständnisfragen gestellt werden, anschließend in der Gruppe ein Austausch über das Problem stattfindet und letztenendlich von der betroffenen Person eine Rückmeldung gegeben wird, inwiefern bei dem Problem geholfen wird.

Dieser Teil des Unterrichtes war für mich eigentlich der Schwerste. Der Schwerste aufgrund dessen, dass hier doch ziemlich im Seelenleben rum gewühlt wurde. Oftmals identifizierte ich mich mit der Person, die grad sprach und dachte dann auch wieder über mich und meine Probleme nach. Da ich mich aber mit vielen der Gruppe gut verstand, konnte ich mich dann im Freizeitbereich noch darüber austauschen und auch einzelne Mitarbeiter des Rehazentrums stehen zu Gesprächen zur Verfügung.


Technik / Audiologie:

Hier informiert eine Hörgerätakustikern über Hörgeräte, Hilfsmittel, Cochlear Implantate und auch wird der Höreindruck anhand von Hörkurven erklärt und wie das jeweilige Hörgerät arbeitet.

Der Teil des Unterrichtes bei dem es um Hörgeräte und dazugehörige Hilfsmittel ging, war für mich als Spätertaubte uninteressant und somit hatte ich mir "frei" genommen. Als es um das Cochlear Implantat ging, war ich anwesend und bekam viele hilfreiche Informationen, was die Funktionsweise und die Einsetzung des Implantates anging.

 

 

Jeden Montag fand eine Organisationsstunde durch Olaf Biemann statt, in der wir über alles Wichtige für die laufende Woche informiert wurden.Auch wurden Unterrichtseinheiten zum Thema Gebärden und Fingeralphabet gegeben, ich denke, ich brauche hierzu nichts Weiteres zu schreiben, da es klar sein sollte, um was es hier geht.

Ich sollte noch erwähnen, dass es sich nicht um Unterricht handelt, wie wir es aus der Schule kennen, sondern hier wird in entspannter Atmosphäre gearbeitet, wobei ich nicht leugnen möchte, dass es doch teilweise sehr anstrengend war.
Zum Ausgleich fanden unter der Woche auch ein Projekttag und eine Kommunikationsrallye statt. Worum es sich hier genau handelt, möchte ich nicht weiter schreiben, für den Fall, dass es von jemand gelesen wird, der auch nach Rendsburg möchte. Denn dann wäre die Vorfreude und der Überraschungseffekt ja dahin ;-)

Alles in allem hat mir die Reha gefallen, was auch daran liegt, dass Wert auf familiäre Atmosphäre gelegt wird. Da jeder von uns einen Schlüssel für die Eingangstür hatte, musste man auch nicht Punkt 22 Uhr (wie in anderen Reha-Einrichtungen) zum Einschluss da sein, sondern konnte kommen wann man wollte.

Besonders erwähnen möchte ich noch Eric und Monika, die für unser leibliches Wohl sorgten. Das Essen war phantastisch und das Abschiedsmenü einmalig. Auch duftete es jeden Tag nach frischgebackenem Brot im Haus, so was habe ich noch nie erlebt.

Im Freizeitbereich waren auch Angebote des Hauses vorhanden. Zum Beispiel ein Ausflug nach Laboe oder nach Schleswig. Dreimal hatten wir auch einen Spieleabend. Hier werden Spiele gemacht, die vor allem die Beobachtungsgabe forderten. War jedes Mal wieder aufs Neue lustig ;-)

Da es sich bei den Reha-Teilnehmern um Hörgeschädigte handelt, wurde im Unterricht immer auf der Tastatur über einen PC mitgeschrieben und per Beamer an die Wand projiziert. Auch wurde von fast allen Mitarbeitern die DGS, LBG und das Fingeralphabet angewandt. Somit war ein Verstehen für jeden gegeben.

Was mir nicht so gut gefallen hat, dass zu wenige Einzelgespräche stattfanden. Insgesamt waren es zwei, eins zum Anfang und eins zum Ende der Reha. Aber aufgrund der vielen Probleme die Einzelne hatten, hätten noch mehr solcher Gespräche stattfinden können... . Auch nach der Selbsterfahrung wäre es sinnvoller für Einige, wenn professionelle Ansprechpartner zur Verfügung stehen würden, da hier ja, wie schon geschrieben, doch ziemlich im Seelenleben gewühlt wird.

Wer weitere Informationen zur Reha, wie z.Bsp. Termine und Ansprechpartner haben möchte, dem empfehle ich einen Besuch auf externer Link in neuem Fenster folgtwww.hoergeschaedigt.de

 

 

 

 

 

 

Ich habe bei der Reha in Rendsburg auch Kontakte zu besonders lieben Menschen knüpfen können und hoffe, dass diese noch lange halten.

 

  • Marion, meine liebe Zimmernachbarin mit einem erstaunlichen Süßigkeitenhunger
  • Antje, die beidseitig CI versorgt ist und sich schnell zu unserem "Gruppenmuttel" entpuppt hat
  • Rosi, die durch ihre lustige Art immer wieder zum lachen brachte
  • Anita, die immer die Ruhe in Person war und für jeden ein offenes Ohr hatte
  • Maike, unser aller Sonnenschein und die Liebenswürdigkeit in Person
  • Christian, der mit uns immer wieder Ausflüge unternahm, da er ja selbst aus Schleswig Holstein kommt.
Olaf Biemann erklärt in LBG
Seite zuletzt geändert am 25.04.2010 11:08
Copyright by Sindy Funke