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seit dem 05.11.2005
Hörgeschädigt! Als Vergleich zum Boxen?

von Rob Davis

Meine Meinung dazu. Was hat Hörschädigung überhaupt mit boxen zu tun ? Viele werden denken das ich verrückt mit dieser Einstellung bin.

Ich war bis zu meinem 40. Lebensjahr normal hörend, danach wurde ich krank und habe mein Gehör größtenteils verloren. Ich musste viel lernen, Lippenlesen, Körpersprache, Mimik und natürlich die Gebärdensprache. Was ich auch getan habe.

Ich habe viel über mein damaliges Leben als Hörender und mein Leben jetzt als Hörgeschädigter nachgedacht. Mit 20 Jahren war ich Boxer, habe viele Kämpfe gehabt und hab „nur“ 3 mal verloren. Wenn ich einen Kampf verloren habe war es mit einer ordentlichen Tracht Prügel verbunden. Ich habe sehr ungern verloren !

Also wie kann ich mein Leben als Hörgeschädigter mit dem eines Boxers vergleichen. Hier gibt es für mich viele Parallelen die ich gerne beschreiben werde. Ein Boxer muss in seinem Beruf vieles üben, Seilspringen für die Koordination, Laufen für die Kondition, Sparring um richtig zu schlagen aber auch um Schlägen auszuweichen. Als Hörgeschädigter ist es nicht anders. Ich übe Lippenlesen um meine Kommunikation zu unterstützen, Menschen beobachten um die Körpersprache zu verstehen, Mimik um meine Kommunikation zu ergänzen und natürlich die Gebärdensprache oder Laut begleitende Gebärdensprache.

Als Boxer lernt man Schlägen auszuweichen, die Deckung zu benutzen um den Kopf und Körper zu schützen. Ein Boxer kann sich weiter entwickeln um sich besser zu schützen. Keine Deckung ist aber vollkommen und der Boxer wird gelegentlich erwischt, teilweise so hart das er zur Boden gehen muss. Im Vergleich zu einem Boxer übt ein Hörgeschädigter seine Kommunikations- und Verhaltens Einstellungen. Absehen. Die Steuerung eines Gesprächs sodass er die Möglichkeit hat es zu verfolgen. DGS oder LBG sodass man nicht unbedingt auf die Lautsprache angewiesen ist.

Aber auch ein Hörgeschädigter, egal wie gut er in der Kommunikations- Technik ist, bekommt auch seine Schläge ab. Sie fragen : Welche Schläge ? Ein Beispiel ist, wenn jemand mich völlig links liegen lässt weil er meint : dieses Thema ist für mich nicht wichtig weil ich hörgeschädigt bin. Nur ich kann das entscheiden !! Ein anderes Beispiel ist z.B. Jemandem keinen Respekt zu zeigen aufgrund seiner Hörbehinderung, eben Vorurteile. Das sind Schläge die weh tun, nicht körperlich sondern innen drin.

Wenn man genug übt, dann könnte man Richtig gut werden – „ Float like a Butterfly and sting like a Bee „, wie Ali oder Absehen können wie ein Weltmeister. Was wir nicht vergessen sollte ist das Jeder auf seine Art und Weise üben muss.

Im Ring sind beide Boxer durch den Ringrichter geschützt, in der Reale Welt haben wir auch ein Ringrichter, man nennt es die Integrationsfachdienst für Hörgeschädigte. Jeder braucht Erholungspausen, ein Boxer hat alle 3 Minuten eine Pause von 1 Minute um sich zu erholen.

Auch ein Hörgeschädigter muss sich im laufe eines Tage  zurückziehen um sich zu erholen. Die Frage ist, was mache ich aus dieser Pause. Was kann ich aus dieser Pause machen um mich zu erholen ? nach der Pause bin ich Gezwungen weiter zu machen. Jeder muss Mimik üben. Ja, selbstverständlich benutzen Boxer Mimik, sehr oft sogar. Wenn ein Boxer getroffen ist, darf er es nicht zeigen sonst weiß sein Gegner das er eine Chance hat jetzt den Kampf zu beenden. Was macht der Boxer wenn er getroffen ist ? Entweder ein Poker Face oder eben lächeln um zu zeigen das der Schlag nicht weh getan hat. Er verunsichert seinen Gegner teilweise.

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich sehe Hörende nicht als Gegner, ganz im Gegenteil das sind meine Mitmenschen und ich als hörgeschädigter Mensch muss lernen wie ich mit meinen Mitmenschen umzugehen habe. Nur ICH kann die Sachen steuern. Ein Boxer, wenn er getroffen ist, hat 10 Sekunden um sich zu erholen und wenn er es nicht schafft ist der Kampf vorbei. AUS ! Ein Boxer vergisst nie die Schläge die ihn verletzt haben. Auch Jahre danach denkt er : Hätte ich damals besser dies oder das gemacht dann wäre ich doch nicht getroffen worden.

Ein Hörgeschädigter muss sich auch schnell von seinen Schlägen erholen, das Leben geht unausweichlich weiter. Auch seine Schläge, Schmerzen ,aber die verschwinden nicht wie die von einem Boxer. Bei einem Boxer sind innerhalb von 14 Tagen die blauen Augen verschwunden, die geschwollene Nase wieder normal. Bei einem Hörgeschädigten dauert es länger, manchmal ein ganzes Leben lang und manche schaffen es doch nicht die Schläge weg zu stecken. Auch er denkt nach, z.B. Wenn ich mich vielleicht anders verhalten hätte dann hätte ich das Gespräch besser verstehen können.

Die Frage ist, egal ob Boxer oder Hörgeschädigter, wie schnell kann ich wieder aufstehen !! Wie schnell bin ich wieder auf den Beinen sodass es weiter gehen kann. Wie kann ich wieder stark werden um noch mehr Schlägen auszuweichen. Und die letzte Parallele die ich schreiben möchte ist „ Egal ob Boxer oder hörgeschädigter Mensch, beide üben und Kämpfen allein. Beide stehen größtenteils allein in Ihrem Beruf / Leben. Und beide sind mit ihren Schmerzen, Ängsten, guten und schlechten  Erfahrungen am ende der Tag oder am ende der Kampf allein.“ Auch das muss gelernt und geübt werden. Egal ob Boxer oder Hörgeschädigter beide sind allein verantwortlich ob sie als Sieger, Verlierer oder eben Unentschieden den Ring verlassen. Jeden Tag ist als vergleich zu eine 12 Runden Boxkampf das gekämpft werden muss.

Manche Runden Gewinne ich und manche verliere ich. Ich will den Ring nicht als KO Gewinner verlassen, Untenscheiden reicht mir Vollkommen und das aus Ein einzigen Grund : „ Wenn ein Boxkampf Unentscheiden endet, bedeutet das beide Personen als gleichgestellt sind, die haben die gleich stärke, gleich schwäche, gleiche Schläge ausgeteilt und bekommen. „ Gerade das ist mein Ziel. Ich will, trotz meine Hörschädigung als Gleichgestellt gesehen und behandelt werden. Ich denke ich habe ein Recht darauf.

RING FREI ZUR DRITTEN RUNDE !!


Von Heike
Ja klar hat der Rob recht mit seinem Vergleich. Er hat aus seinem Boxerdasein eine Menge nützlicher Dinge gelernt und er schafft den Transfer zu seiner jetzigen Problematik. Das kann helfen, aber nicht jeder ist in der Lage dazu. Dem Rob kann man höchstwahrscheinlich eine Menge Disziplin und Durchhaltevermögen bescheinigen und auch das sind persönliche Charakterzüge die sich nicht verallgemeinern lassen. So seh ich das. Nicht jeder ist stärker als andere, weil er taub (oder blind oder sonst was) ist. Aber viele Menschen scheinen anzunehmen, dass es so ist.


Von Michi
Ich finde den Vergleich echt gut und denke aber nicht, das es nur einem Hörgeschädigten so geht, das man es so vergleichen kann, sondern finde es genauso wieder auch in meinem Leben. Jeden Tag erneut sich durchs Leben zu boxen zu müssen. Aber es stört mich auch ein bisschen weil ich ja dann in jeden tag starte und sage, die Leute sind meine Gegner, was man so aber auch nicht sagen kann. ein Wettlauf würde mir besser gefallen, denn da stehen sich ja mehrere; verschiedene;Menschen gegenüber und kämpfen um den selben Sieg, z.B. den Tag zu beenden da gibt es welche im feld die einfach darauf loslaufen und sich nicht für andere interressieren wie die anderen voran kommen und lassen diese in Ruhe, dann gibt
es welche die dir vielleicht über einen berg helfen und dich ein stück
schieben; oder es gibt welche die mit aller Macht erste werden wollen und kränken und verletzen uns, (z.B. ein Bein stellen) um zu gewinnen um selber besser da zu stehen und das sind die Probleme. Also nur Einzelne und nicht Alle wie es bei einem Boxkampf der Fall ist

Seite zuletzt geändert am 08.08.2009 11:29
Copyright by Sindy Funke